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Ab 80 Dezibel wird es für das Ohr gefährlich

Etwa 75 Prozent aller Deutschen fühlen sich durch Lärm belästigt. An der Spitze steht Verkehrslärm, gefolgt von Fluglärm. Dauerhafte Lärmbelästigung kann zu gesundheitlichen Problemen führen. Schäden am Gehör können mit einem Test überprüft werden. Eine Hörminderung oder gar Schwerhörigkeit ist nicht heilbar, sie kann lediglich mit Hilfe von Hörgeräten teilweise ausgeglichen werden.

Lärm ist per Definition eine Geräuschbelastung durch große Lautstärke. Lärm kann allerdings nicht objektiv gemessen werden, so dass kein fester Wert für die Schwelle der Lärmempfindung existiert. Ob Geräusche als Lärm empfunden werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Neben Lautstärke, Frequenz, Dauer und Häufigkeit des Geräuschs spielen auch die jeweiligen Vorlieben, die Verfassung und die Stimmungen eines Menschen eine Rolle. Töne und Geräusche werden als Schallwellen über den äußeren Gehörgang aufgenommen und bis zum Innenohr weitergeleitet. Der Schalldruckpegel ist messbar. Er wird in Dezibel (dB) angegeben.

Auswirkung von Lärm

Andauernde, aber auch kurzzeitige Lärmbelastung schränkt nicht nur die Lebensqualität ein, sie kann auch gesundheitliche Auswirkungen haben. Diese reichen von Konzentrations- und Schlafstörungen, bis hin zu Tinnitus (Ohrgeräusche) und Herz-Kreislaufbeschwerden. Bereits ab 65 bis 75 Dezibel kann Lärm als Stressfaktor wirken. Ab 80 bis 85 Dezibel wird es für das Gehör gefährlich. Viele Menschen, die Lärm in dieser Stärke regelmäßig über Jahre hinweg ausgesetzt sind oder auf sich einwirken lassen, müssen mit einer Schädigung des Hörvermögens rechnen.

Lärmschwerhörigkeit ist die am häufigsten anerkannte Berufskrankheit. Sie kommt vor allem in den Branchen Metall und Bau vor. Laut Berufsgenossenschaft Bau entstehen jährlich mehr als 6000 neue Leistungsfälle. Seit Februar 2006 gelten neue Lärmschutzwerte am Arbeitsplatz. Lärmschutzmaßnahmen sind jetzt ab 80 Dezibel statt wie bisher ab 85 Dezibel erforderlich. Häufig werden solche Werte aber auch in der Disko, bei Rockkonzerten und beim Musikhören über Kopfhörer erreicht.

Eine Schädigung der Haarzellen im Ohr wird oft erst spät bemerkt.

Empfindliche Haarzellen

Durch Lärm entsteht meist die so genannte Schallempfindungsschwerhörigkeit, auch als Innenohr- oder Lärmschwerhörigkeit bezeichnet. Dabei sind die empfindlichen Sinneszellen des Innenohrs beeinträchtigt. Man unterscheidet zwischen einer vorübergehenden und einer permanenten Schallschädigung.

Bei der vorübergehenden Schädigung, zum Beispiel durch ein Knalltrauma, besteht noch eine Reparaturmöglichkeit der empfindlichen Haarzellen. Bei der permanenten Schädigung dagegen sind die Haarzellen irreversibel, also für immer beeinträchtigt. Die Betroffenen nehmen Worte nur noch leise und verzerrt wahr. Sprache und Hintergrundgeräusche vermischen sich. Die Lärmschwerhörigkeit ist eine schleichende Krankheit. Ein Hörverlust bleibt anfangs häufig unbemerkt.

Diagnose und Therapie

Ob eine Hörminderung oder eine Schwerhörigkeit besteht, lässt sich mit einem Hörtest, der so genannten Audiometrie feststellen. Der Patient hört dazu über Kopfhörer Töne unterschiedlicher Frequenzen und Lautstärke. Dabei werden die Bereiche ermittelt, die er gerade noch hören kann. Aus den Werten ergibt sich die individuelle Hörkurve, die Aufschluss über das Hörvermögen gibt.

Eine Lärmschwerhörigkeit ist nicht heilbar. Die einzige wirksame Hilfe ist das Tragen von Hörgeräten: Obwohl technisch ausgereift, können sie das natürliche Gehör nicht vollständig ersetzen. Ein Hörgerät sollte grundsätzlich schon bei einer beginnenden Schwerhörigkeit eingesetzt werden.

Vorbeugung

Wirksamen Schutz bieten Ohrstöpsel oder Kopfhörer sowie das - soweit mögliche - Meiden von Lärmquellen.